Tarif & Gehalt · Gesundheit
TV-Ärzte Gehalt 2026 — Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern
Aktualisiert am 19. Mai 2026 · Lesezeit ca. 13 Minuten · Autor:Tim Haver, Geschäftsführer Mission Personal GmbH
Kurz gefasst
TV-Ärzte/VKA ist der Tarifvertrag für ca. 60.000 Ärzte an kommunalen Krankenhäusern. Eigene Entgelttabelle mit 4 Stufen: Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt, Leitender Arzt. Einstiegsgehalt Assistenzarzt 2026: ca. 5.700 €/Monat. Leitende Oberärzte ab 11.000 € plus variable Vergütung. Daneben existieren TV-Ärzte/TdL (Unikliniken) und Marburger-Bund-Sondertarife an einzelnen Standorten.
Was ist TV-Ärzte? Der Tarifvertrag für ärztliches Klinikpersonal
Der TV-Ärzte/VKA — kurz für Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern — ist der eigenständige Tarifvertrag zwischen der VKA (Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände) und der ärztlichen Gewerkschaft Marburger Bund. Er gilt für rund 60.000 Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern in Deutschland — Kreis-, Stadt- und Bezirkskliniken sowie kommunale Klinikverbünde. Der TV-Ärzte/VKA wurde 2006 nach dem berühmten Ärztestreik aus dem damaligen TVöD-Tarif herausgelöst — seither haben Ärztinnen und Ärzte ihren eigenen Tarifvertrag mit eigener Eingruppierung, eigener Bereitschaftsregelung und eigener Verhandlungsmacht.
Anders als der TVöD-VKA, der für das nicht-ärztliche Personal (Pflege, Verwaltung, Funktionsdienste) gilt, ist der TV-Ärzte/VKA speziell auf die ärztliche Tätigkeit zugeschnitten: Bereitschaftsdienst, Schichtdienst in der Notfallmedizin, Weiterbildung zum Facharzt, ärztliche Eigenverantwortung — all das wird hier separat geregelt.
An Universitätskliniken gilt nicht der TV-Ärzte/VKA, sondern der nahezu inhaltsgleiche TV-Ärzte/TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder). Beide werden vom Marburger Bund verhandelt, aber an unterschiedlichen Tischen — daher leichte Unterschiede in den Tarifrunden. Privatkliniken (Helios, Asklepios, Sana, Rhön) haben in der Regel Haustarife, die sich am Marburger Bund orientieren, aber individuell gestaltet sind.
TV-Ärzte/VKA Entgelttabelle 2026 — alle 4 Ärzte-Gruppen
Die TV-Ärzte-Entgeltordnung kennt vier ärztliche Tätigkeitsgruppen mit je 5 bis 6 Stufen. Die Eingruppierung erfolgt nach formaler Position (Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt, Leitender Arzt), die Stufe nach Berufserfahrung. Die folgenden Werte spiegeln die TV-Ärzte/VKA-Tabelle für das Jahr 2026 wider — Bruttowerte pro Monat, ohne Bereitschaftsdienst, Zulagen und Sonderzahlungen.
| Stufe | Beschreibung | Assistenzarzt | Facharzt | Oberarzt | Ltd. Arzt |
|---|---|---|---|---|---|
| Stufe 1 | Berufseinstieg (1. Jahr) | 5.700 € | 7.520 € | 9.230 € | 10.840 € |
| Stufe 2 | Nach 1 Jahr ärztlicher Tätigkeit | 6.020 € | 8.080 € | 9.770 € | 11.430 € |
| Stufe 3 | Nach 2 weiteren Jahren | 6.260 € | 8.620 € | 10.290 € | 12.080 € |
| Stufe 4 | Nach weiteren 3 Jahren | 6.640 € | 8.950 € | 10.520 € | 12.580 € |
| Stufe 5 | Nach weiteren 4 Jahren | 7.140 € | 9.220 € | 10.780 € | 13.090 € |
| Stufe 6 | Nach weiteren 5 Jahren (max. Stufe) | 7.680 € | 9.480 € | 10.980 € | 13.460 € |
Werte gerundet, Brutto pro Monat, Stand 2026. Quelle: VKA-Tarifabschluss und Marburger Bund. Tatsächliches Gehalt enthält zusätzlich Bereitschaftsdienst, Schichtzuschläge, Funktionszulagen sowie Jahressonderzahlung.
TV-Ärzte/VKA vs. TV-Ärzte/TdL vs. Privatkliniken
Für die Standortwahl ist der direkte Vergleich der drei Welten entscheidend. TV-Ärzte/VKA und TV-Ärzte/TdL sind tariflich verwandt, weichen aber in Zahlen und Sonderregelungen ab. Privatkliniken arbeiten meist mit Haustarifen — höhere Variabilität beim Grundgehalt, aber häufig schwächere Bereitschaftsregelung.
| Aspekt | TV-Ärzte/VKA | TV-Ärzte/TdL | Privatkliniken |
|---|---|---|---|
| Geltungsbereich | Kommunale Krankenhäuser, Stadtkliniken, Kreiskrankenhäuser | Universitätskliniken, Landeskrankenhäuser | Asklepios, Helios, Sana, Rhön — eigene Haustarife |
| Tarifpartner Arbeitgeber | VKA (Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände) | TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder) | Haustarif oder kein Tarif |
| Gewerkschaft | Marburger Bund | Marburger Bund | Marburger Bund oder verdi (verzichtbar) |
| Assistenzarzt-Einstieg | ca. 5.700 € (Stufe 1) | ca. 5.530 € (etwas niedriger) | 5.400 - 6.200 € (stark schwankend) |
| Oberarzt-Einstieg | ca. 9.230 € | ca. 9.040 € | 9.000 - 11.500 € + variable Bonus |
| Bereitschaftsdienst | Tariflich klar geregelt, gestaffelt 60-95 % | Praktisch identisch zu VKA | Häufig pauschaliert, oft günstiger für AG |
| Jahressonderzahlung | Ca. 60-80 % eines Bruttomonats | Ca. 60-95 %, je nach Bundesland | Stark variierend, oft Zielboni statt fix |
| Wochenarbeitszeit | 42 Stunden / Woche | 42 Stunden / Woche | 40 - 48 Stunden, häufig mit Opt-out |
Faustregel: Kommunale Häuser bieten die tariflich stärkste Bereitschaftsvergütung und die solidesten Sozialleistungen. Unikliniken bieten Forschung und Lehre und damit bessere Karrierepfade Richtung Habilitation und Chefarzt-Position. Privatkliniken bieten häufig höhere Einstiegssummen für Spezialisten, aber schwächere Tarifabsicherung — wer aus Lebensplanung und Sicherheit kommt, fährt mit den kommunalen Häusern in der Regel besser.
Bereitschaftsdienst im TV-Ärzte — das Vergütungsmodell
Der Bereitschaftsdienst ist im Klinikalltag der zentrale Gehaltsfaktor neben dem Grundgehalt. Ärztinnen und Ärzte sind während des Bereitschaftsdiensts zur Arbeitsleistung verpflichtet, halten sich aber in der Klinik oder in deren Nähe auf und werden bei Bedarf gerufen. Der TV-Ärzte/VKA staffelt die Vergütung dabei nach 4 Belastungsstufen, die sich am Anteil tatsächlicher Arbeitsleistung während des Dienstes bemessen:
Stufe I
60 % des StundenentgeltsBelastung bis 25 % Arbeitsleistung — typisch für ruhige Stationsbereitschaft mit wenigen Einsätzen
Stufe II
75 % des StundenentgeltsBelastung 25 - 40 % — moderate Tätigkeit, normaler Klinik-Bereitschaftsdienst in den meisten Abteilungen
Stufe III
90 % des StundenentgeltsBelastung 40 - 49 % — anspruchsvoller Bereitschaftsdienst, z. B. Notaufnahme, Intensivstation, Kreissaal
Stufe IV
95 % des StundenentgeltsBelastung über 49 % — hochbelasteter Dienst, faktisch Volldienst. Wird tariflich meist als reguläre Arbeitszeit gewertet.
Hinzu kommen Zeitzuschläge auf die jeweilige Bereitschaftsstunde: Nachtarbeit (21-6 Uhr) +15 %, Samstag ab 13 Uhr +20 %, Sonntag +25 %, gesetzlicher Feiertag bis +35 %. Diese kumulieren sich mit der Belastungsstufe — ein Bereitschaftsdienst der Stufe III in der Nacht an einem Feiertag bringt z. B. 90 % Stundenentgelt plus 35 % Feiertagszuschlag plus 15 % Nachtzuschlag.
Praktisch macht der Bereitschaftsdienst für einen Assistenzarzt schnell 1.000 - 2.500 € zusätzlich pro Monat aus — bei 4-6 Bereitschaften, gestaffelt nach Klinikbereich. Wichtig zu wissen: Seit der EuGH-Rechtsprechung (Jaeger-Urteil 2003) ist Bereitschaftsdienst arbeitszeitrechtlich volle Arbeitszeit — die häufig diskutierten 60-Stunden-Wochen sind also tariflich nur durch Opt-out und Freiwilligkeit legal.
Sonderzulagen im TV-Ärzte — was über das Grundgehalt hinaus zählt
Über das Grundgehalt der Entgelttabelle hinaus zahlt der TV-Ärzte/VKA mehrere strukturelle Zulagen — gerade in den höheren Karrierestufen wird die Vergütung damit deutlich variabler. Hier die wichtigsten Komponenten:
Bereitschaftsdienst-Pauschale
Pro Stunde Bereitschaft gestaffelt 60 - 95 Prozent des regulären Stundenentgelts (siehe Stufentabelle oben). Plus Zeitzuschläge bei Nacht- (15 %), Sonntag- (25 %) und Feiertagsbereitschaft (bis 35 %). Realistisch bringt 1 Wochenend-Bereitschaft 600 - 1.100 € brutto extra.
Relevant für: Alle bettenführenden Abteilungen, ZNA, Anästhesie, Geburtshilfe
Rufbereitschaft
Pauschale Vergütung von 12,5 % des Stundenentgelts plus volle Vergütung tatsächlicher Einsatzzeiten (mind. 3 Stunden pro Anruf). Übliche Konstellation in chirurgischen Fachabteilungen außerhalb der Kernzeiten. Monatlich oft 400 - 800 € planbarer Zusatz.
Relevant für: Chirurgie, Urologie, Gynäkologie, Radiologie
Schichtzulagen
Für regelmäßigen Wechselschichtdienst monatliche Pauschale von 105 €, Schichtdienst-Pauschale 40 €. Plus Zeitzuschläge: Nacht 15 %, Samstag (13-21 Uhr) 20 %, Sonntag 25 %, Feiertag bis 35 % auf das Stundenentgelt.
Relevant für: Intensivmedizin, Notaufnahme, Geburtshilfe
Funktionszulagen
Für Leitungsfunktionen unterhalb des Oberarzts: Stationsleitung, Funktionsoberarzt, Notfallmediziner Leitstelle, Hygienebeauftragter. Tariflich bis 350 € monatlich, haustariflich teils deutlich mehr.
Relevant für: Funktionsoberärzte, Stationsleitungen
Privatliquidationsbeteiligung (nur Chefarzt / leitender Oberarzt)
Beteiligung an Wahlleistungs- und Konsiliartätigkeit. Üblicherweise gestaffelt nach Position. Bei Chefärzten bilden Privatliquidation und Pool-Beteiligung den Hauptteil des Gehalts — kann das Grundgehalt verdoppeln oder verdreifachen.
Relevant für: Chefarzt, ltd. Oberarzt mit Wahlleistungsbefugnis
Marburger-Bund-Sondertarife
An vielen Standorten gibt es zwischen Marburger Bund und einzelnen Klinikbetreibern Sondertarifverträge — typischerweise mit höherer Bereitschaftsvergütung, zusätzlichen Freistellungstagen oder Fortbildungspauschalen. Bei Bewerbungen immer den konkret geltenden Tarif erfragen.
Relevant für: Spezifische Standorte, vor allem ostdeutsche und Land-Kliniken
Karrierepfade in der Klinik — vom Studium zum Chefarzt
Die ärztliche Karriere folgt im Krankenhaus einer klaren tarifvertraglich definierten Stufung — von der ersten Stellenaufnahme als Assistenzarzt bis zur Chefarzt-Position außertariflich. Die typische Verweildauer pro Stufe variiert nach Fachgebiet und Engagement, der grobe Pfad sieht jedoch in der Regel so aus:
1. Studium Humanmedizin
Medizinstudium mit Approbation als Voraussetzung — 12 Semester Regelstudienzeit (6 Jahre) inkl. Praktisches Jahr
Gehalt: PJ-Aufwandsentschädigung: 400 - 650 € (je nach Klinik), seit 2025 tariflich angehoben
Typische Dauer: 6 - 8 Jahre
2. Assistenzarzt (1. - 6. Jahr Weiterbildung)
Weiterbildung zum Facharzt — je nach Fachrichtung 5 - 6 Jahre. Wöchentliche Pflichtfortbildung, Rotation in Klinikbereiche, eigene OPs/Untersuchungen unter Aufsicht.
Gehalt: TV-Ärzte/VKA Stufen 1 - 5: 5.700 - 7.140 € + Bereitschaft
Typische Dauer: 5 - 6 Jahre
3. Facharzt
Nach bestandener Facharztprüfung — eigenständige Patientenversorgung, OP-Verantwortung, Lehre der Assistenten. Spezialisierung möglich (Zusatzweiterbildung Intensivmedizin, Notfallmedizin u.a.)
Gehalt: TV-Ärzte/VKA Facharzt-Spalte: 7.520 - 9.480 €
Typische Dauer: Aufstieg nach 5 - 6 Jahren Weiterbildung
4. Oberarzt
Medizinische Verantwortung für einen Bereich, Anleitung von Fachärzten und Assistenten, OP-Planung, oft Konsil- und Wahlleistungstätigkeit
Gehalt: TV-Ärzte/VKA Oberarzt-Spalte: 9.230 - 10.980 €
Typische Dauer: Aufstieg nach 2 - 5 Jahren als Facharzt
5. Leitender Oberarzt
Ständiger Vertreter des Chefarztes für die gesamte Abteilung. Strategische Mitverantwortung, OP-Programmsteuerung, Personalführung, Wahlleistungsbefugnis
Gehalt: TV-Ärzte/VKA Leitender-Arzt-Spalte: 10.840 - 13.460 € + ggf. Wahlleistungspool
Typische Dauer: Aufstieg nach 3 - 8 Jahren als Oberarzt
6. Chefarzt
Gesamtverantwortung für die Abteilung — Strategie, Personal, Budget, medizinische Außendarstellung, OP-Spektrum. Außertariflich, individuell verhandelter Chefarztvertrag mit Grundgehalt + Wahlleistungsbeteiligung.
Gehalt: 180.000 - 450.000 € Jahresgehalt inkl. Pool (je nach Spezialgebiet & Standort)
Typische Dauer: Senior-Führungskraft, oft 15 - 20 Berufsjahre
Hinweis: Die Chefarzt-Position ist außertariflich und wird in individuellen Verträgen ausgehandelt. Klassische Bestandteile sind ein Grundgehalt (oft 120.000 - 180.000 € jährlich), eine Wahlleistungsbeteiligung (Privatliquidation) und Boni für Patientenzahlen oder Casemix-Index. Bei attraktiven Fachgebieten (Kardiologie, Orthopädie, Radiologie) erreichen Chefärzte regelmäßig Gesamtbezüge von 350.000 - 500.000 € jährlich, in Spitzenpositionen auch mehr.
Praxisbeispiel — Dr. Lisa, 31, im 4. Weiterbildungsjahr Innere Medizin
Case Study
Dr. Lisa, 31, ist nach 4 Jahren Weiterbildung Assistenzärztin in der Inneren Medizin eines kommunalen Krankenhauses in Westfalen — Stufe 4 nach TV-Ärzte/VKA. Sie übernimmt regelmäßig Bereitschaftsdienste auf der allgemeinen Station (Stufe II) und einmal monatlich einen Wochenenddienst auf der ZNA (Stufe III).
Grundvergütung
- TV-Ärzte/VKA Assistenzarzt Stufe 4
- Grundgehalt: 6.640 €
- Jahressonderzahlung (60 % anteilig): +330 €/Mon.
- VBL-Beitrag AG-Anteil: ca. +350 € Effektivwert
Zulagen monatlich
- 4 Bereitschaften Stufe II: +1.450 €
- 1 Wochenende Stufe III + Zuschläge: +890 €
- Nachtzuschläge & Zeitzuschläge: +180 €
- Fortbildungsbudget: 1.200 €/Jahr
Brutto-Gesamteinkommen monatlich: rund 9.160 € + anteilige Jahressonderzahlung + Versorgungswerk + VBL. Realistisches Jahres-Brutto: ca. 115.000 €. Plus solide Altersversorgung durch Versorgungswerk und VBL — und tariflicher Anspruch auf Weiterbildung bis zum Facharzt. Nach bestandener Facharztprüfung springt Dr. Lisa direkt in die Facharzt-Spalte (ab Stufe 1 mit 7.520 €), bei 2 Jahren Anerkennung in Stufe 2 (8.080 €) — ein Sprung von rund 900 € beim Grundgehalt.
Arbeitszeit, Urlaub und Sonderregelungen im TV-Ärzte
Die wichtigsten Eckdaten zum TV-Ärzte/VKA auf einen Blick:
Wöchentliche Arbeitszeit
42 Stunden / Woche regelmäßige Arbeitszeit — höher als die TVöD-Regelarbeitszeit (39 h). Bereitschaftsdienste werden teils auf die Wochenarbeitszeit angerechnet, abhängig von der Belastungsstufe.
Urlaub
30 Urlaubstage pro Jahr ab dem 1. Beschäftigungsjahr. Plus tariflicher Zusatzurlaub für Wechselschicht (bis 6 Tage) und für besondere Belastung.
Probezeit
6 Monate Probezeit gemäß TV-Ärzte/VKA. Verkürzte Kündigungsfrist 2 Wochen zum Monatsende für beide Seiten. Nach der Probezeit reguläre tarifliche Kündigungsfristen.
Jahressonderzahlung
Tariflich geregelt — gestaffelt zwischen 60 und 80 Prozent eines Monatsentgelts, Auszahlung im November/Dezember. Im Vergleich zum TV-V (100 %) etwas niedriger.
VBL-Pflichtversicherung
Ärzte an kommunalen Kliniken sind in der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) pflichtversichert. Bringt zusätzlich rund 5 - 8 Prozent Brutto an Altersversorgung — neben gesetzlicher Rente und ggf. Ärzteversorgungswerk.
Ärzteversorgungswerk (Pflicht)
Approbierte Ärztinnen und Ärzte sind in den jeweiligen Versorgungswerken (NRW, Bayern, Berlin etc.) pflichtversichert. Beiträge etwa 18 % des Bruttoeinkommens — teilweise vom Arbeitgeber bezuschusst. Versorgungswerk ersetzt gesetzliche Rentenversicherung.
Fortbildung
Tariflich verankerter Fortbildungsanspruch — 5 - 8 Tage pro Jahr bezahlte Freistellung plus Kostenbeteiligung 500 - 1.500 €. Notwendig zur Sammlung der CME-Punkte (Continuing Medical Education).
Kündigungsschutz
Tarifliche Unkündbarkeit ab dem vollendeten 40. Lebensjahr und 15 Jahren ununterbrochener Beschäftigung beim selben Arbeitgeber. Ordentliche Kündigung dann ausgeschlossen, außer aus wichtigem Grund.
Warum kommunale Krankenhäuser jetzt mit Anreizen kämpfen
Der deutsche Ärztemangel wird in den Kliniken besonders spürbar. Die Bundesärztekammer schätzt, dass bis 2030 in deutschen Krankenhäusern rund 10.000 Arztstellen unbesetzt bleiben werden — besonders in der Inneren Medizin, Geriatrie, Anästhesie und auf dem Land. Drei Konsequenzen für den Arbeitsmarkt:
- Steigende Tarifabschlüsse: In den letzten drei Tarifrunden sind die TV-Ärzte-Entgelte deutlich stärker gestiegen als das Inflationsmittel — der Marburger Bund verhandelt zunehmend selbstbewusst.
- Haus-Sonderpakete und Antrittsboni: Kommunale Krankenhäuser in strukturschwächeren Regionen (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, ländliches Bayern) bieten zunehmend Antrittsboni von 10.000 - 30.000 €, Umzugspauschalen, Kita-Plätze und teils sogar Dienstwohnungen.
- Karriere-Sprungbrett für Assistenz- und Fachärzte: Wer heute den Berufseinstieg an einem Kreiskrankenhaus wagt, erhält oft eine schnellere Karriereentwicklung und schnellere Beförderung zum Oberarzt als an einer großen Uniklinik — weil die Häuser dringend stabile Strukturen brauchen.
Weiterführende Themen
Wer sich mit TV-Ärzte beschäftigt, hat oft auch Fragen zur Eingruppierung, zur Jahressonderzahlung oder zum Vergleich mit anderen Tarifen. Unsere passenden Ratgeber dazu:
Quellen & weiterführende Information
- Marburger Bund — ärztliche Gewerkschaft, offizielle Tarifabschlüsse, Mitgliederinformation und Rechtsberatung für angestellte Ärzte.
- VKA — Ärzte-Bereich — Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, offizielle Tarif-Bekanntmachungen und Eingruppierungs-Richtlinien für den TV-Ärzte/VKA.
- Bundesärztekammer — Statistiken zum Ärzteberuf, Berufsordnung, Weiterbildungsordnung und politische Positionen zum Krankenhausstrukturwandel.
- Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) — Vergleichstarif für Ärzte an Universitätskliniken (TV-Ärzte/TdL).