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Tarif & Gehalt · Gesundheit

TV-Ärzte Gehalt 2026 — Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern

Aktualisiert am 19. Mai 2026 · Lesezeit ca. 13 Minuten · Autor:Tim Haver, Geschäftsführer Mission Personal GmbH

Kurz gefasst

TV-Ärzte/VKA ist der Tarifvertrag für ca. 60.000 Ärzte an kommunalen Krankenhäusern. Eigene Entgelttabelle mit 4 Stufen: Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt, Leitender Arzt. Einstiegsgehalt Assistenzarzt 2026: ca. 5.700 €/Monat. Leitende Oberärzte ab 11.000 € plus variable Vergütung. Daneben existieren TV-Ärzte/TdL (Unikliniken) und Marburger-Bund-Sondertarife an einzelnen Standorten.

Was ist TV-Ärzte? Der Tarifvertrag für ärztliches Klinikpersonal

Der TV-Ärzte/VKA — kurz für Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern — ist der eigenständige Tarifvertrag zwischen der VKA (Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände) und der ärztlichen Gewerkschaft Marburger Bund. Er gilt für rund 60.000 Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern in Deutschland — Kreis-, Stadt- und Bezirkskliniken sowie kommunale Klinikverbünde. Der TV-Ärzte/VKA wurde 2006 nach dem berühmten Ärztestreik aus dem damaligen TVöD-Tarif herausgelöst — seither haben Ärztinnen und Ärzte ihren eigenen Tarifvertrag mit eigener Eingruppierung, eigener Bereitschaftsregelung und eigener Verhandlungsmacht.

Anders als der TVöD-VKA, der für das nicht-ärztliche Personal (Pflege, Verwaltung, Funktionsdienste) gilt, ist der TV-Ärzte/VKA speziell auf die ärztliche Tätigkeit zugeschnitten: Bereitschaftsdienst, Schichtdienst in der Notfallmedizin, Weiterbildung zum Facharzt, ärztliche Eigenverantwortung — all das wird hier separat geregelt.

An Universitätskliniken gilt nicht der TV-Ärzte/VKA, sondern der nahezu inhaltsgleiche TV-Ärzte/TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder). Beide werden vom Marburger Bund verhandelt, aber an unterschiedlichen Tischen — daher leichte Unterschiede in den Tarifrunden. Privatkliniken (Helios, Asklepios, Sana, Rhön) haben in der Regel Haustarife, die sich am Marburger Bund orientieren, aber individuell gestaltet sind.

TV-Ärzte/VKA Entgelttabelle 2026 — alle 4 Ärzte-Gruppen

Die TV-Ärzte-Entgeltordnung kennt vier ärztliche Tätigkeitsgruppen mit je 5 bis 6 Stufen. Die Eingruppierung erfolgt nach formaler Position (Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt, Leitender Arzt), die Stufe nach Berufserfahrung. Die folgenden Werte spiegeln die TV-Ärzte/VKA-Tabelle für das Jahr 2026 wider — Bruttowerte pro Monat, ohne Bereitschaftsdienst, Zulagen und Sonderzahlungen.

StufeBeschreibungAssistenzarztFacharztOberarztLtd. Arzt
Stufe 1Berufseinstieg (1. Jahr)5.7007.5209.23010.840
Stufe 2Nach 1 Jahr ärztlicher Tätigkeit6.0208.0809.77011.430
Stufe 3Nach 2 weiteren Jahren6.2608.62010.29012.080
Stufe 4Nach weiteren 3 Jahren6.6408.95010.52012.580
Stufe 5Nach weiteren 4 Jahren7.1409.22010.78013.090
Stufe 6Nach weiteren 5 Jahren (max. Stufe)7.6809.48010.98013.460

Werte gerundet, Brutto pro Monat, Stand 2026. Quelle: VKA-Tarifabschluss und Marburger Bund. Tatsächliches Gehalt enthält zusätzlich Bereitschaftsdienst, Schichtzuschläge, Funktionszulagen sowie Jahressonderzahlung.

TV-Ärzte/VKA vs. TV-Ärzte/TdL vs. Privatkliniken

Für die Standortwahl ist der direkte Vergleich der drei Welten entscheidend. TV-Ärzte/VKA und TV-Ärzte/TdL sind tariflich verwandt, weichen aber in Zahlen und Sonderregelungen ab. Privatkliniken arbeiten meist mit Haustarifen — höhere Variabilität beim Grundgehalt, aber häufig schwächere Bereitschaftsregelung.

AspektTV-Ärzte/VKATV-Ärzte/TdLPrivatkliniken
GeltungsbereichKommunale Krankenhäuser, Stadtkliniken, KreiskrankenhäuserUniversitätskliniken, LandeskrankenhäuserAsklepios, Helios, Sana, Rhön — eigene Haustarife
Tarifpartner ArbeitgeberVKA (Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände)TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder)Haustarif oder kein Tarif
GewerkschaftMarburger BundMarburger BundMarburger Bund oder verdi (verzichtbar)
Assistenzarzt-Einstiegca. 5.700 € (Stufe 1)ca. 5.530 € (etwas niedriger)5.400 - 6.200 € (stark schwankend)
Oberarzt-Einstiegca. 9.230 €ca. 9.040 €9.000 - 11.500 € + variable Bonus
BereitschaftsdienstTariflich klar geregelt, gestaffelt 60-95 %Praktisch identisch zu VKAHäufig pauschaliert, oft günstiger für AG
JahressonderzahlungCa. 60-80 % eines BruttomonatsCa. 60-95 %, je nach BundeslandStark variierend, oft Zielboni statt fix
Wochenarbeitszeit42 Stunden / Woche42 Stunden / Woche40 - 48 Stunden, häufig mit Opt-out

Faustregel: Kommunale Häuser bieten die tariflich stärkste Bereitschaftsvergütung und die solidesten Sozialleistungen. Unikliniken bieten Forschung und Lehre und damit bessere Karrierepfade Richtung Habilitation und Chefarzt-Position. Privatkliniken bieten häufig höhere Einstiegssummen für Spezialisten, aber schwächere Tarifabsicherung — wer aus Lebensplanung und Sicherheit kommt, fährt mit den kommunalen Häusern in der Regel besser.

Bereitschaftsdienst im TV-Ärzte — das Vergütungsmodell

Der Bereitschaftsdienst ist im Klinikalltag der zentrale Gehaltsfaktor neben dem Grundgehalt. Ärztinnen und Ärzte sind während des Bereitschaftsdiensts zur Arbeitsleistung verpflichtet, halten sich aber in der Klinik oder in deren Nähe auf und werden bei Bedarf gerufen. Der TV-Ärzte/VKA staffelt die Vergütung dabei nach 4 Belastungsstufen, die sich am Anteil tatsächlicher Arbeitsleistung während des Dienstes bemessen:

Stufe I

60 % des Stundenentgelts

Belastung bis 25 % Arbeitsleistung — typisch für ruhige Stationsbereitschaft mit wenigen Einsätzen

Stufe II

75 % des Stundenentgelts

Belastung 25 - 40 % — moderate Tätigkeit, normaler Klinik-Bereitschaftsdienst in den meisten Abteilungen

Stufe III

90 % des Stundenentgelts

Belastung 40 - 49 % — anspruchsvoller Bereitschaftsdienst, z. B. Notaufnahme, Intensivstation, Kreissaal

Stufe IV

95 % des Stundenentgelts

Belastung über 49 % — hochbelasteter Dienst, faktisch Volldienst. Wird tariflich meist als reguläre Arbeitszeit gewertet.

Hinzu kommen Zeitzuschläge auf die jeweilige Bereitschaftsstunde: Nachtarbeit (21-6 Uhr) +15 %, Samstag ab 13 Uhr +20 %, Sonntag +25 %, gesetzlicher Feiertag bis +35 %. Diese kumulieren sich mit der Belastungsstufe — ein Bereitschaftsdienst der Stufe III in der Nacht an einem Feiertag bringt z. B. 90 % Stundenentgelt plus 35 % Feiertagszuschlag plus 15 % Nachtzuschlag.

Praktisch macht der Bereitschaftsdienst für einen Assistenzarzt schnell 1.000 - 2.500 € zusätzlich pro Monat aus — bei 4-6 Bereitschaften, gestaffelt nach Klinikbereich. Wichtig zu wissen: Seit der EuGH-Rechtsprechung (Jaeger-Urteil 2003) ist Bereitschaftsdienst arbeitszeitrechtlich volle Arbeitszeit — die häufig diskutierten 60-Stunden-Wochen sind also tariflich nur durch Opt-out und Freiwilligkeit legal.

Sonderzulagen im TV-Ärzte — was über das Grundgehalt hinaus zählt

Über das Grundgehalt der Entgelttabelle hinaus zahlt der TV-Ärzte/VKA mehrere strukturelle Zulagen — gerade in den höheren Karrierestufen wird die Vergütung damit deutlich variabler. Hier die wichtigsten Komponenten:

Bereitschaftsdienst-Pauschale

Pro Stunde Bereitschaft gestaffelt 60 - 95 Prozent des regulären Stundenentgelts (siehe Stufentabelle oben). Plus Zeitzuschläge bei Nacht- (15 %), Sonntag- (25 %) und Feiertagsbereitschaft (bis 35 %). Realistisch bringt 1 Wochenend-Bereitschaft 600 - 1.100 € brutto extra.

Relevant für: Alle bettenführenden Abteilungen, ZNA, Anästhesie, Geburtshilfe

Rufbereitschaft

Pauschale Vergütung von 12,5 % des Stundenentgelts plus volle Vergütung tatsächlicher Einsatzzeiten (mind. 3 Stunden pro Anruf). Übliche Konstellation in chirurgischen Fachabteilungen außerhalb der Kernzeiten. Monatlich oft 400 - 800 € planbarer Zusatz.

Relevant für: Chirurgie, Urologie, Gynäkologie, Radiologie

Schichtzulagen

Für regelmäßigen Wechselschichtdienst monatliche Pauschale von 105 €, Schichtdienst-Pauschale 40 €. Plus Zeitzuschläge: Nacht 15 %, Samstag (13-21 Uhr) 20 %, Sonntag 25 %, Feiertag bis 35 % auf das Stundenentgelt.

Relevant für: Intensivmedizin, Notaufnahme, Geburtshilfe

Funktionszulagen

Für Leitungsfunktionen unterhalb des Oberarzts: Stationsleitung, Funktionsoberarzt, Notfallmediziner Leitstelle, Hygienebeauftragter. Tariflich bis 350 € monatlich, haustariflich teils deutlich mehr.

Relevant für: Funktionsoberärzte, Stationsleitungen

Privatliquidationsbeteiligung (nur Chefarzt / leitender Oberarzt)

Beteiligung an Wahlleistungs- und Konsiliartätigkeit. Üblicherweise gestaffelt nach Position. Bei Chefärzten bilden Privatliquidation und Pool-Beteiligung den Hauptteil des Gehalts — kann das Grundgehalt verdoppeln oder verdreifachen.

Relevant für: Chefarzt, ltd. Oberarzt mit Wahlleistungsbefugnis

Marburger-Bund-Sondertarife

An vielen Standorten gibt es zwischen Marburger Bund und einzelnen Klinikbetreibern Sondertarifverträge — typischerweise mit höherer Bereitschaftsvergütung, zusätzlichen Freistellungstagen oder Fortbildungspauschalen. Bei Bewerbungen immer den konkret geltenden Tarif erfragen.

Relevant für: Spezifische Standorte, vor allem ostdeutsche und Land-Kliniken

Karrierepfade in der Klinik — vom Studium zum Chefarzt

Die ärztliche Karriere folgt im Krankenhaus einer klaren tarifvertraglich definierten Stufung — von der ersten Stellenaufnahme als Assistenzarzt bis zur Chefarzt-Position außertariflich. Die typische Verweildauer pro Stufe variiert nach Fachgebiet und Engagement, der grobe Pfad sieht jedoch in der Regel so aus:

1. Studium Humanmedizin

Medizinstudium mit Approbation als Voraussetzung — 12 Semester Regelstudienzeit (6 Jahre) inkl. Praktisches Jahr

Gehalt: PJ-Aufwandsentschädigung: 400 - 650 € (je nach Klinik), seit 2025 tariflich angehoben

Typische Dauer: 6 - 8 Jahre

2. Assistenzarzt (1. - 6. Jahr Weiterbildung)

Weiterbildung zum Facharzt — je nach Fachrichtung 5 - 6 Jahre. Wöchentliche Pflichtfortbildung, Rotation in Klinikbereiche, eigene OPs/Untersuchungen unter Aufsicht.

Gehalt: TV-Ärzte/VKA Stufen 1 - 5: 5.700 - 7.140 € + Bereitschaft

Typische Dauer: 5 - 6 Jahre

3. Facharzt

Nach bestandener Facharztprüfung — eigenständige Patientenversorgung, OP-Verantwortung, Lehre der Assistenten. Spezialisierung möglich (Zusatzweiterbildung Intensivmedizin, Notfallmedizin u.a.)

Gehalt: TV-Ärzte/VKA Facharzt-Spalte: 7.520 - 9.480 €

Typische Dauer: Aufstieg nach 5 - 6 Jahren Weiterbildung

4. Oberarzt

Medizinische Verantwortung für einen Bereich, Anleitung von Fachärzten und Assistenten, OP-Planung, oft Konsil- und Wahlleistungstätigkeit

Gehalt: TV-Ärzte/VKA Oberarzt-Spalte: 9.230 - 10.980 €

Typische Dauer: Aufstieg nach 2 - 5 Jahren als Facharzt

5. Leitender Oberarzt

Ständiger Vertreter des Chefarztes für die gesamte Abteilung. Strategische Mitverantwortung, OP-Programmsteuerung, Personalführung, Wahlleistungsbefugnis

Gehalt: TV-Ärzte/VKA Leitender-Arzt-Spalte: 10.840 - 13.460 € + ggf. Wahlleistungspool

Typische Dauer: Aufstieg nach 3 - 8 Jahren als Oberarzt

6. Chefarzt

Gesamtverantwortung für die Abteilung — Strategie, Personal, Budget, medizinische Außendarstellung, OP-Spektrum. Außertariflich, individuell verhandelter Chefarztvertrag mit Grundgehalt + Wahlleistungsbeteiligung.

Gehalt: 180.000 - 450.000 € Jahresgehalt inkl. Pool (je nach Spezialgebiet & Standort)

Typische Dauer: Senior-Führungskraft, oft 15 - 20 Berufsjahre

Hinweis: Die Chefarzt-Position ist außertariflich und wird in individuellen Verträgen ausgehandelt. Klassische Bestandteile sind ein Grundgehalt (oft 120.000 - 180.000 € jährlich), eine Wahlleistungsbeteiligung (Privatliquidation) und Boni für Patientenzahlen oder Casemix-Index. Bei attraktiven Fachgebieten (Kardiologie, Orthopädie, Radiologie) erreichen Chefärzte regelmäßig Gesamtbezüge von 350.000 - 500.000 € jährlich, in Spitzenpositionen auch mehr.

Praxisbeispiel — Dr. Lisa, 31, im 4. Weiterbildungsjahr Innere Medizin

Case Study

Dr. Lisa, 31, ist nach 4 Jahren Weiterbildung Assistenzärztin in der Inneren Medizin eines kommunalen Krankenhauses in Westfalen — Stufe 4 nach TV-Ärzte/VKA. Sie übernimmt regelmäßig Bereitschaftsdienste auf der allgemeinen Station (Stufe II) und einmal monatlich einen Wochenenddienst auf der ZNA (Stufe III).

Grundvergütung

  • TV-Ärzte/VKA Assistenzarzt Stufe 4
  • Grundgehalt: 6.640 €
  • Jahressonderzahlung (60 % anteilig): +330 €/Mon.
  • VBL-Beitrag AG-Anteil: ca. +350 € Effektivwert

Zulagen monatlich

  • 4 Bereitschaften Stufe II: +1.450 €
  • 1 Wochenende Stufe III + Zuschläge: +890 €
  • Nachtzuschläge & Zeitzuschläge: +180 €
  • Fortbildungsbudget: 1.200 €/Jahr

Brutto-Gesamteinkommen monatlich: rund 9.160 € + anteilige Jahressonderzahlung + Versorgungswerk + VBL. Realistisches Jahres-Brutto: ca. 115.000 €. Plus solide Altersversorgung durch Versorgungswerk und VBL — und tariflicher Anspruch auf Weiterbildung bis zum Facharzt. Nach bestandener Facharztprüfung springt Dr. Lisa direkt in die Facharzt-Spalte (ab Stufe 1 mit 7.520 €), bei 2 Jahren Anerkennung in Stufe 2 (8.080 €) — ein Sprung von rund 900 € beim Grundgehalt.

Arbeitszeit, Urlaub und Sonderregelungen im TV-Ärzte

Die wichtigsten Eckdaten zum TV-Ärzte/VKA auf einen Blick:

Wöchentliche Arbeitszeit

42 Stunden / Woche regelmäßige Arbeitszeit — höher als die TVöD-Regelarbeitszeit (39 h). Bereitschaftsdienste werden teils auf die Wochenarbeitszeit angerechnet, abhängig von der Belastungsstufe.

Urlaub

30 Urlaubstage pro Jahr ab dem 1. Beschäftigungsjahr. Plus tariflicher Zusatzurlaub für Wechselschicht (bis 6 Tage) und für besondere Belastung.

Probezeit

6 Monate Probezeit gemäß TV-Ärzte/VKA. Verkürzte Kündigungsfrist 2 Wochen zum Monatsende für beide Seiten. Nach der Probezeit reguläre tarifliche Kündigungsfristen.

Jahressonderzahlung

Tariflich geregelt — gestaffelt zwischen 60 und 80 Prozent eines Monatsentgelts, Auszahlung im November/Dezember. Im Vergleich zum TV-V (100 %) etwas niedriger.

VBL-Pflichtversicherung

Ärzte an kommunalen Kliniken sind in der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) pflichtversichert. Bringt zusätzlich rund 5 - 8 Prozent Brutto an Altersversorgung — neben gesetzlicher Rente und ggf. Ärzteversorgungswerk.

Ärzteversorgungswerk (Pflicht)

Approbierte Ärztinnen und Ärzte sind in den jeweiligen Versorgungswerken (NRW, Bayern, Berlin etc.) pflichtversichert. Beiträge etwa 18 % des Bruttoeinkommens — teilweise vom Arbeitgeber bezuschusst. Versorgungswerk ersetzt gesetzliche Rentenversicherung.

Fortbildung

Tariflich verankerter Fortbildungsanspruch — 5 - 8 Tage pro Jahr bezahlte Freistellung plus Kostenbeteiligung 500 - 1.500 €. Notwendig zur Sammlung der CME-Punkte (Continuing Medical Education).

Kündigungsschutz

Tarifliche Unkündbarkeit ab dem vollendeten 40. Lebensjahr und 15 Jahren ununterbrochener Beschäftigung beim selben Arbeitgeber. Ordentliche Kündigung dann ausgeschlossen, außer aus wichtigem Grund.

Warum kommunale Krankenhäuser jetzt mit Anreizen kämpfen

Der deutsche Ärztemangel wird in den Kliniken besonders spürbar. Die Bundesärztekammer schätzt, dass bis 2030 in deutschen Krankenhäusern rund 10.000 Arztstellen unbesetzt bleiben werden — besonders in der Inneren Medizin, Geriatrie, Anästhesie und auf dem Land. Drei Konsequenzen für den Arbeitsmarkt:

  • Steigende Tarifabschlüsse: In den letzten drei Tarifrunden sind die TV-Ärzte-Entgelte deutlich stärker gestiegen als das Inflationsmittel — der Marburger Bund verhandelt zunehmend selbstbewusst.
  • Haus-Sonderpakete und Antrittsboni: Kommunale Krankenhäuser in strukturschwächeren Regionen (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, ländliches Bayern) bieten zunehmend Antrittsboni von 10.000 - 30.000 €, Umzugspauschalen, Kita-Plätze und teils sogar Dienstwohnungen.
  • Karriere-Sprungbrett für Assistenz- und Fachärzte: Wer heute den Berufseinstieg an einem Kreiskrankenhaus wagt, erhält oft eine schnellere Karriereentwicklung und schnellere Beförderung zum Oberarzt als an einer großen Uniklinik — weil die Häuser dringend stabile Strukturen brauchen.

Weiterführende Themen

Wer sich mit TV-Ärzte beschäftigt, hat oft auch Fragen zur Eingruppierung, zur Jahressonderzahlung oder zum Vergleich mit anderen Tarifen. Unsere passenden Ratgeber dazu:

Quellen & weiterführende Information

  • Marburger Bund — ärztliche Gewerkschaft, offizielle Tarifabschlüsse, Mitgliederinformation und Rechtsberatung für angestellte Ärzte.
  • VKA — Ärzte-Bereich — Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, offizielle Tarif-Bekanntmachungen und Eingruppierungs-Richtlinien für den TV-Ärzte/VKA.
  • Bundesärztekammer — Statistiken zum Ärzteberuf, Berufsordnung, Weiterbildungsordnung und politische Positionen zum Krankenhausstrukturwandel.
  • Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) — Vergleichstarif für Ärzte an Universitätskliniken (TV-Ärzte/TdL).

Häufige Fragen zum TV-Ärzte Tarifvertrag

Was ist TV-Ärzte/VKA und für wen gilt er?
Der TV-Ärzte/VKA ist der Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern in Deutschland. Tarifpartner sind die VKA (Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände) und der Marburger Bund als ärztliche Gewerkschaft. Geltungsbereich: rund 60.000 Ärzte an Stadt-, Kreis- und Bezirkskrankenhäusern sowie an kommunalen Klinikverbünden. Eigene Entgeltordnung mit 4 Ärzte-Gruppen (Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt, Leitender Arzt) und je 5-6 Erfahrungsstufen. Wichtig: An Universitätskliniken gilt nicht TV-Ärzte/VKA, sondern TV-Ärzte/TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder) — fast inhaltsgleich, aber separat verhandelt.
Wie viel verdient ein Assistenzarzt am kommunalen Krankenhaus?
Ein Assistenzarzt im TV-Ärzte/VKA startet 2026 in Stufe 1 mit rund 5.700 € Bruttogrundgehalt. Durch die jährlichen Stufensteigerungen steigt es nach 6 Jahren Berufserfahrung auf rund 7.680 € (Stufe 6). Hinzu kommen Bereitschaftsdienste, die monatlich 600 - 1.500 € extra bringen können, sowie Schicht- und Wochenendzuschläge. Realistisch verdient ein Assistenzarzt im 2. - 3. Berufsjahr mit normaler Dienstbelastung 7.000 - 8.500 € brutto pro Monat einschließlich Bereitschaft. Plus 60-80 % Jahressonderzahlung, VBL-Betriebsrente und Versorgungswerk.
Was ist der Unterschied TV-Ärzte/VKA und TV-Ärzte/TdL?
Beide Tarifverträge gelten für Ärztinnen und Ärzte und werden vom Marburger Bund verhandelt. Der Unterschied liegt im Arbeitgeber: TV-Ärzte/VKA gilt für kommunale Krankenhäuser (Kreis-, Stadt-, Bezirkskliniken), TV-Ärzte/TdL für Universitätskliniken und Landeskrankenhäuser. Die Strukturen sind nahezu identisch — gleiche 4 Ärzte-Gruppen, gleiche Stufenlogik — aber die Entgelte werden in getrennten Tarifrunden festgelegt. Aktuell liegt TV-Ärzte/VKA leicht über TV-Ärzte/TdL (rund 100-200 € im Assistenzarztbereich). Praktisch wichtig: An einer Uniklinik gibt es zusätzlich akademische Komponenten (Forschung, Lehre, Habilitation), die nicht im TV-Ärzte/TdL geregelt sind, sondern individuell.
Wie hoch ist die Bereitschaftsdienst-Vergütung im TV-Ärzte?
Die Bereitschaftsdienstvergütung ist nach 4 Belastungsstufen gestaffelt — abhängig von der prozentualen Arbeitsleistung während des Dienstes: Stufe I (60 %) für ruhige Bereitschaft bis 25 % Arbeitsanteil, Stufe II (75 %) für 25-40 %, Stufe III (90 %) für 40-49 % (Notaufnahme, Intensivstation, Kreissaal), Stufe IV (95 %) für hochbelastete Dienste über 49 %. Zusätzlich gelten Zeitzuschläge: Nacht +15 %, Sonntag +25 %, Feiertag bis +35 %. Praktisch bringt ein 16-stündiger Wochenend-Bereitschaftsdienst der Stufe II für einen Assistenzarzt rund 700 - 900 € brutto extra. Häufig 4-6 Bereitschaften pro Monat — das macht 2.500 - 5.000 € Zusatzeinkommen monatlich.
Was ist Marburger Bund und brauche ich eine Mitgliedschaft?
Der Marburger Bund ist die ärztliche Gewerkschaft in Deutschland — mit über 135.000 Mitgliedern die einzige berufsständische Gewerkschaft ausschließlich für Ärztinnen und Ärzte. Er verhandelt sowohl den TV-Ärzte/VKA (kommunal) als auch den TV-Ärzte/TdL (Land/Uni). Eine Mitgliedschaft ist nicht zwingend — die Tarifverträge gelten für alle Ärzte am tarifgebundenen Klinikbetreiber, unabhängig von der Mitgliedschaft. Praktisch sinnvoll ist sie trotzdem: kostenlose Rechtsberatung bei Arbeitsrechtsstreitigkeiten, Streikgeld bei Tarifkonflikten, fachliche Weiterbildung und politische Vertretung in Klinikfragen. Mitgliedsbeitrag: 1,0 - 1,2 % des Bruttogehalts (steuerlich absetzbar). Empfehlung: Für angestellte Ärzte praktisch unverzichtbar.
Bekomme ich als Arzt eine VBL-Pflichtversicherung?
Ja — angestellte Ärzte an kommunalen Krankenhäusern sind in der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) pflichtversichert, parallel zum tariflichen Anspruch. Beitrag: rund 5 - 8 Prozent des Bruttoentgelts, davon trägt der Arbeitgeber den Hauptteil. Das ergibt bei einem Assistenzarzt eine zusätzliche Altersversorgung von durchschnittlich 350 - 550 € pro Berufsjahr — über 30 Jahre also eine erhebliche Zusatzrente. Wichtig zu wissen: Ärzte sind zusätzlich im jeweiligen Ärzteversorgungswerk (NRW, Bayern, Berlin usw.) pflichtversichert — das ersetzt die gesetzliche Rentenversicherung. Sie zahlen also nicht in die DRV ein, sondern in das Versorgungswerk (ca. 18 % des Brutto) plus VBL (5-8 %). Das ergibt insgesamt eine sehr solide Altersversorgung, deutlich über dem Niveau privat angestellter Ärzte ohne VBL.
Wie lange dauert die Probezeit bei Ärzten?
Die Probezeit für angestellte Ärztinnen und Ärzte beträgt nach TV-Ärzte/VKA grundsätzlich 6 Monate. In dieser Zeit gilt eine verkürzte tarifliche Kündigungsfrist von 2 Wochen zum Monatsende für beide Seiten. Bei Wiedereinstellung beim selben Arbeitgeber innerhalb von 6 Monaten kann die Probezeit entfallen. Nach erfolgreicher Probezeit greifen die regulären tariflichen Kündigungsfristen — von 1 Monat zum Monatsende (bei kurzer Beschäftigung) bis zu 6 Monaten zum Quartalsende (bei langer Beschäftigung). Wichtig für Assistenzärzte: Eine während der Probezeit ausgesprochene Kündigung muss sachlich begründet sein, wenn sie sich auf fachliche Defizite stützt — ein einseitiger Abbruch ohne Begründung wird durch das Befristungsrecht oft eingeschränkt.
Welche Sonderzulagen gibt es im TV-Ärzte/VKA?
Über das Grundgehalt hinaus zahlt der TV-Ärzte/VKA mehrere strukturelle Zulagen: Bereitschaftsdienst gestaffelt 60-95 % des Stundenentgelts, Rufbereitschaft 12,5 % Pauschale plus volle Vergütung tatsächlicher Einsätze, Zeitzuschläge (Nacht +15 %, Samstag ab 13 Uhr +20 %, Sonntag +25 %, Feiertag bis +35 %), Schichtzulagen bei regelmäßigem Wechselschichtdienst (105 € Pauschale), Funktionszulagen für besondere Aufgaben (Stationsleitung, Funktionsoberarzt) bis 350 € monatlich. Für Chef- und leitende Oberärzte kommt die Wahlleistungsbeteiligung (Privatliquidation) hinzu — die kann das Grundgehalt verdoppeln. Realistisch bringen Zulagen einem Assistenzarzt 1.000 - 2.500 € extra, einem Oberarzt 1.500 - 4.000 € extra pro Monat.