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Lebenslauf öffentlicher Dienst – Vorlage & 2 Muster

Aufbau, Pflichtangaben und zwei vollständige tabellarische Lebensläufe für Bewerbungen bei Kommunen, Behörden und im öffentlichen Dienst – sofort einsetzbar, individuell anpassbar.

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Auf einen Blick

Ein Lebenslauf für den öffentlichen Dienst ist tabellarisch, maximal zwei Seiten, antichronologisch (neueste Station oben). Pflichtangaben: Persönliche Daten, Berufserfahrung, Ausbildung, Weiterbildungen, Sprachen, IT-Kenntnisse. Bei Beamten-Bewerbungen zusätzlich: Bereitschaft zur Verfassungstreue-Erklärung, ggf. Verfügbarkeit eines Führungszeugnisses. Foto nach AGG empfohlen, aber nicht Pflicht.

Aufbau eines Lebenslaufs für den öffentlichen Dienst

Die Verwaltung erwartet einen standardisierten, sachlichen und vollständigen Lebenslauf – kein kreatives Design-Experiment. Personalstellen in Kommunen, Landesbehörden und Bezirksregierungen lesen pro Ausschreibung 30 bis 150 Lebensläufe und sortieren in der ersten Runde nach formalen Kriterien. Wer Pflichtangaben weglässt oder die Reihenfolge ungewöhnlich anordnet, riskiert die Aussortierung in unter 60 Sekunden. Die folgende Tabelle zeigt die acht Standardblöcke, die in jeden ÖD-Lebenslauf gehören – plus den Umgang mit optionalen Angaben.

BlockWas rein gehörtWas raus gehört
1. PersönlichesName, Anschrift, Telefon, E-Mail, Geburtsdatum, Geburtsort, StaatsangehörigkeitReligion, Konfession, politische Partei, Anzahl Kinder, sexuelle Orientierung
2. BerufserfahrungAntichronologisch: Zeitraum, Position, Arbeitgeber + Ort, 2-4 TätigkeitsstichpunkteSchülerjobs, einmonatige Aushilfsjobs vor 10+ Jahren
3. AusbildungStudium, Berufsausbildung, höchster Schulabschluss mit NoteGrundschule, Hauptschule wenn Realschulabschluss vorhanden
4. WeiterbildungenVerwaltungsfachwirt, KGSt, Studieninstitut, IHK, EDV-Zertifikate, Sprachkurse mit ZertifikatInhouse-Schulungen ohne Zertifikat, YouTube-Kurse, Soft-Skill-Wochenend-Seminare
5. EhrenamtVereinsvorstand, Schöffe, Feuerwehr, Schiedsrichter, Wahlhelfer, Kommunalpolitik (ohne Partei)Mitgliedschaft ohne Funktion, politische Parteizugehörigkeit
6. SprachenSprache + Niveau nach GER (A1-C2) oder „Muttersprache“Floskeln wie „verhandlungssicher“ ohne Zertifikat, „Grundkenntnisse“ bei A1
7. IT-KenntnisseFachverfahren (MESO, PROSOZ, OPEN, SAP), Office, DMS, ggf. Programmiersprachen mit Niveau„Internet und E-Mail“ als Skill, veraltete Software (Windows XP, Office 2003)
8. Hobbys / Interessen2-3 konkrete Punkte: Marathon, Schachverein, Wikipedia-AutorenschaftFloskeln: „Reisen, Lesen, Sport“, riskante Hobbys (Fallschirmspringen)

Die Reihenfolge der Blöcke ist nicht in Stein gemeißelt, folgt aber einer klaren Logik: Für Berufserfahrene kommt die Berufserfahrung VOR der Ausbildung, für Berufseinsteiger und Auszubildende ist es umgekehrt. Weiterbildungen werden als eigener Block ausgewiesen, weil sie im öffentlichen Dienst disproportional wichtig sind – Personalstellen lesen den Lebenslauf speziell auf den Verwaltungsfachwirt, das Studieninstitut und KGSt-Lehrgänge. Mehr zur Eingruppierung und welche Weiterbildungen Stufensprünge bringen, steht in unserem Eingruppierungs-Ratgeber.

In 7 Schritten zum tabellarischen Lebenslauf

Vom leeren Word-Dokument zur abgabefertigen PDF-Datei in unter 60 Minuten. Die folgenden sieben Schritte sind das, was Personalstellen im öffentlichen Dienst erwarten – nicht mehr, nicht weniger. Wer einen Schritt überspringt, riskiert formale Mängel, die in der ersten Sichtungsrunde zur Aussortierung führen.

  1. 1

    Datei vorbereiten und Kopfzeile setzen

    Neues Word- oder Google-Docs-Dokument, DIN A4, Schriftart Arial 11pt, Zeilenabstand 1,15, Seitenrand 2,5 cm. In die Kopfzeile gehört die Überschrift „Lebenslauf“ (NICHT „Bewerbung als ...“) – linksbündig, fett, 14pt. Rechts daneben oder darunter ein professionelles Bewerbungsfoto (optional). Dateiformat: PDF, Dateiname „Lebenslauf_Nachname_Vorname.pdf“.

  2. 2

    Persönliche Daten vollständig erfassen

    Pflicht: Vor- und Nachname, Anschrift (Straße + PLZ + Ort), Telefonnummer (Mobil), E-Mail-Adresse (seriös, NICHT „bunny88@gmx.de“), Geburtsdatum, Geburtsort, Staatsangehörigkeit. Optional: Familienstand, Anzahl Kinder. Bei angestrebter Verbeamtung relevant: Staatsangehörigkeit, ggf. Anmerkung zur Verfassungstreue-Erklärung.

  3. 3

    Berufserfahrung antichronologisch auflisten

    Aktuellste Station oben. Pro Station: Zeitraum (MM/JJJJ – MM/JJJJ oder MM/JJJJ – heute), Jobtitel, Arbeitgeber + Ort, 2-4 Stichpunkte zu Tätigkeiten und Erfolgen. Verben aktiv: „verantwortlich für“, „aufgebaut“, „koordiniert“. Bei Verwaltungsbewerbung: Konkrete Verfahren nennen (Bauantragsbearbeitung, Sozialleistungen SGB II, Vergabeverfahren VOB/A).

  4. 4

    Ausbildung und Studium dokumentieren

    Antichronologisch wie die Berufserfahrung. Pro Eintrag: Zeitraum, Abschluss (Note bei sehr gut/gut), Bildungseinrichtung. Höchster Schulabschluss reicht – Grundschule weglassen. Bei Berufseinsteigern auch Berufskolleg-Stationen, bei Studierten auch das Vorpraktikum nennen. Studiengang exakt benennen („Bachelor of Laws – Verwaltungsdienst LL.B.“, NICHT nur „Jura“).

  5. 5

    Weiterbildungen mit Verwaltungs-Bezug ergänzen

    Eigener Block zwischen Berufserfahrung und Ausbildung. Personalstellen schätzen Verwaltungs-Lehrgänge, Verwaltungsfachwirt-Prüfungen, Erste Hilfe, Datenschutz-Schulungen (DSGVO), SAP-Zertifikate, MS-Office-Zertifikate, Sprachzertifikate (B2/C1). Pro Eintrag: Datum, Titel der Weiterbildung, Anbieter (Studieninstitut, KGSt, Hochschule). Auch interne Behörden-Schulungen aufführen, wenn relevant.

  6. 6

    Sprachen und IT-Kenntnisse mit Niveau benennen

    Sprachen mit GER-Niveau (A1 bis C2) oder „Muttersprache“ angeben. NICHT „verhandlungssicher“ ohne Beleg – wenn nachgefragt, müssen Sie liefern. IT-Kenntnisse: Verwaltungssoftware (MS-Office, Open Source LibreOffice, DMS, Fachverfahren wie OPEN/PROSOZ, MESO, SAP, Datev), Programmiersprachen bei IT-Bewerbungen (Python, SQL, Bash) mit Selbsteinschätzung (Grundkenntnisse / Fortgeschritten / Expert).

  7. 7

    Foto, Ort/Datum, Unterschrift finalisieren

    Foto: professionell, Headshot, neutraler Hintergrund (50 € beim Fotografen, hält 5 Jahre) – optional, aber empfohlen. Unter dem Lebenslauf: Ort + heutiges Datum + handschriftliche Unterschrift (eingescannt als PNG). Auch bei PDF-Versand wirkt eine sichtbare Unterschrift verbindlicher. PDF-Export prüfen (kein Word-Dokument verschicken!), Dateigröße < 5 MB, alle Schriften eingebettet.

Muster A – Verwaltungsfachangestellte:r (Berufseinsteiger:in)

Profil: 23 Jahre, frisch abgeschlossene Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei einer kreisangehörigen Stadt in NRW, bewirbt sich nach Übernahme-Stopp bei einer Nachbarkommune auf eine Sachbearbeitungs-Stelle im Bürgerbüro (EG 6 TVöD-VKA). Beispielname Lisa Becker. Komplett zum Kopieren, Felder mit eckigen Klammern anpassen.

LEBENSLAUF

Lisa Becker
Marktstraße 14
48653 Coesfeld
Telefon: 0151 23456789
E-Mail: lisa.becker@email.de

Geburtsdatum:        14.03.2002
Geburtsort:          Münster
Staatsangehörigkeit: deutsch
Familienstand:       ledig


BERUFLICHE ERFAHRUNG

08/2022 – 07/2025   Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten (FR Kommunalverwaltung)
                    Stadt Coesfeld, 48653 Coesfeld
                    - Durchlauf aller Ausbildungsstationen: Bürgerbüro, Standesamt,
                      Sozialamt (SGB II/XII), Bauverwaltung, Personalamt, Kämmerei
                    - Eigenständige Bearbeitung von Meldevorgängen, Ausweisanträgen und
                      Beglaubigungen im Bürgerbüro (letzte 8 Monate)
                    - Mitarbeit Kommunalwahl 2024 als Wahlhelferin und Schulung neuer
                      Wahlhelfer im Wahlamt
                    - Abschluss: IHK-Note 2,1 / Studieninstitut Westfalen-Lippe Note 2,0

03/2022 – 07/2022   Praktikum Bürgerbüro
                    Stadt Münster, 48143 Münster
                    - 4-monatiges Vorpraktikum im Rahmen der Berufsorientierung
                    - Mitarbeit bei Pass- und Personalausweisanträgen, Fundbüro,
                      Gewerbe-An-, Um- und Abmeldungen

09/2018 – 08/2021   Mitarbeit Schülerzeitung „Blickpunkt“ (ehrenamtlich)
                    Gymnasium Nepomucenum, Coesfeld
                    - Redaktionsleitung 2020/2021, Layout in InDesign


AUSBILDUNG

08/2022 – 07/2025   Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten
                    Stadt Coesfeld + Studieninstitut Westfalen-Lippe, Münster
                    Abschluss: IHK-Prüfung mit Note 2,1

09/2012 – 06/2021   Allgemeine Hochschulreife
                    Gymnasium Nepomucenum, Coesfeld
                    Abschluss-Note: 2,3 (Leistungskurse Sozialwissenschaften, Englisch)


WEITERBILDUNG

11/2024             Lehrgang „Bürgerorientierte Verwaltung“ (3 Tage)
                    Studieninstitut Westfalen-Lippe
05/2024             DSGVO-Grundlagen für die kommunale Praxis (1 Tag)
                    KGSt-Schulung
01/2024             Erste Hilfe Auffrischung (BG-zertifiziert)


SPRACHEN

Deutsch:            Muttersprache
Englisch:           B2 (Schulnote 2 LK Englisch, Auslandsfahrt London 2019)
Französisch:        A2 (Schulkenntnisse Klassen 7-10)


IT-KENNTNISSE

Verwaltungssoftware: MESO Bürgerbüro (Expert), OK.JUS (Grundkenntnisse)
Office:              MS Office 365 (Expert), LibreOffice (Fortgeschritten)
Sonstiges:           Adobe InDesign (Grundkenntnisse), Outlook, MS Teams


EHRENAMT & INTERESSEN

Seit 2023           Wahlhelferin Stadt Coesfeld (Kommunalwahl 2024, Europawahl 2024)
Seit 2020           Mitglied Freiwillige Feuerwehr Coesfeld (Jugendfeuerwehr-Betreuung)
Interessen:         Volleyball (Bezirksliga TV Coesfeld), Lesen historischer Romane


Coesfeld, 19.05.2026

[Unterschrift]
Lisa Becker

Was an diesem Muster funktioniert: Lisa zeigt vollständige Ausbildungsdurchläufe (alle Ämter durchlaufen, das beweist Verwaltungstauglichkeit), nennt konkrete Fachverfahren (MESO Bürgerbüro), belegt Ehrenamt im Wahlamt und Feuerwehr (zwei ÖD-Goldsignale) und führt nur Weiterbildungen mit echtem Verwaltungsbezug auf. Die Schul-Note rückt nach hinten, weil die Ausbildungs-Note relevanter ist.

Muster B – IT-Quereinsteiger / Sysadmin aus der Privatwirtschaft

Profil: 34 Jahre, 8 Jahre Sysadmin/DevOps in einem mittelständischen IT-Dienstleister, bewirbt sich auf eine Stelle als „IT-Administrator Fachverfahren“ in einer Kreisverwaltung (EG 10 TVöD-VKA, perspektivisch EG 11 nach Bewährung). Beispielname Markus Köhler. Quereinstieg von Privatwirtschaft in den ÖD ist explizit erwünscht – die Verwaltung braucht IT-Personal und stellt großzügig ein, wenn die Skills passen.

LEBENSLAUF

Markus Köhler
Bahnhofstraße 87
48143 Münster
Telefon: 0170 9876543
E-Mail: markus.koehler@email.de

Geburtsdatum:        22.08.1991
Geburtsort:          Bochum
Staatsangehörigkeit: deutsch


BERUFLICHE ERFAHRUNG

03/2020 – heute     Senior Systemadministrator / DevOps Engineer
                    NetCloud Solutions GmbH, Münster
                    - Verantwortlich für 220 Linux-/Windows-Server (on-prem + Azure-Hybrid)
                      in 18 Kundenumgebungen, davon 6 öffentliche Auftraggeber (kommunale
                      Versorger, Stadtwerke, eine Bezirksregierung)
                    - Aufbau und Wartung der Backup-Infrastruktur (Veeam, Bareos),
                      RPO < 4h, RTO < 24h, ISO-27001-konform
                    - Migration von 3 Kunden auf Microsoft 365 (1.200 Postfächer),
                      inklusive DSGVO-konformer Auftragsverarbeitungsverträge
                    - Rufbereitschaft (24/7) im 4-Personen-Team, durchschnittlich
                      2 Einsätze pro Woche

08/2017 – 02/2020   Systemadministrator
                    Datenzentrum Westfalen GmbH, Dortmund
                    - Betrieb der internen IT-Infrastruktur (45 Mitarbeiter)
                    - Aufbau Active Directory, Gruppenrichtlinien, Patch-Management
                    - Einführung Ticketsystem (OTRS), Reduktion Antwortzeit von 8h auf 90 Min
                    - Mentor für 2 Auszubildende Fachinformatiker Systemintegration

08/2014 – 07/2017   Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration
                    IT-Center Ruhr GmbH, Bochum
                    - IHK-Abschluss mit Note 1,8


AUSBILDUNG

08/2014 – 07/2017   Fachinformatiker für Systemintegration
                    IHK Bochum / IT-Center Ruhr GmbH
                    Abschluss-Note: 1,8

09/2007 – 06/2014   Allgemeine Hochschulreife
                    Hellweg-Gymnasium, Bochum
                    Abschluss-Note: 2,4 (LK Informatik, Mathematik)


WEITERBILDUNG

09/2024             Microsoft Certified: Azure Administrator Associate (AZ-104)
03/2023             ITIL 4 Foundation Certificate (PeopleCert)
11/2022             ISO/IEC 27001 Foundation (TÜV Süd)
05/2021             Linux Professional Institute LPIC-2 Certified
                    Engineer (LPI Europe)
10/2019             Datenschutzbeauftragter TÜV-zertifiziert (40 UE)


SPRACHEN

Deutsch:            Muttersprache
Englisch:           C1 (technische Dokumentation, Konferenzen, schriftlich + mündlich)


IT-KENNTNISSE

Betriebssysteme:    Linux (Debian, Ubuntu, RHEL) – Expert
                    Windows Server 2016/2019/2022 – Expert
                    macOS – Fortgeschritten
Virtualisierung:    VMware vSphere, Proxmox, Hyper-V, Azure VMs
Containerisierung:  Docker, Docker Compose, Kubernetes (Fortgeschritten)
Skripting:          Bash, PowerShell, Python (Fortgeschritten)
Datenbanken:        MariaDB/MySQL, PostgreSQL, MS SQL Server (Grundkenntnisse)
Backup/Monitoring:  Veeam, Bareos, Zabbix, Nagios, Grafana
Cloud:              Microsoft 365, Azure (AZ-104), AWS (Grundkenntnisse)
Verwaltungsbezug:   Erfahrung mit Verfahren öffentlicher Auftraggeber (BSI-Grundschutz,
                    DSGVO-Vorgaben, Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO)


EHRENAMT & INTERESSEN

Seit 2019           Vorstand IT-Beirat THW Ortsverband Münster (ehrenamtlich)
                    - Aufbau und Wartung der Funk- und Datennetz-Infrastruktur
                    - Schulung neuer Helfer in Notfall-IT
Seit 2021           Wikipedia-Autor (über 80 Artikel zu IT-Sicherheit, Open Source)
Interessen:         Halbmarathon (Finisher 2022, 2024), Schach-Vereinsspieler


Münster, 19.05.2026

[Unterschrift]
Markus Köhler

Was dieses Muster stark macht: Markus dockt direkt an die Verwaltung an (Erfahrung mit öffentlichen Auftraggebern, BSI-Grundschutz, DSGVO Art. 28), statt nur generische IT-Skills aufzulisten. Die Zertifikate (AZ-104, ITIL, ISO 27001, LPIC-2, TÜV-Datenschutz) sind alle ÖD-relevant. Das Ehrenamt THW ist ein klares Gemeinwohl-Signal. Die Stufenzuordnung im neuen TVöD-Job kann auf Stufe 3-4 verhandelt werden – 8 Jahre einschlägige Berufserfahrung sind anerkennungsfähig. Mehr zur Stufenverhandlung steht im Eingruppierungs-Ratgeber.

Diese Fehler kosten den Job

Sechs Klassiker, die in der ersten Sichtungsrunde zur Aussortierung führen. Personalstellen im öffentlichen Dienst sind formaler als die Privatwirtschaft – was bei einem Startup als „authentisch“ durchgeht, fliegt hier raus.

FehlerWarum kritischBesser
„Bewerbung als ...“ als ÜberschriftLebenslauf ist kein Anschreiben – Personalstellen lesen das als handwerklichen Fehler„Lebenslauf“ oder einfach der eigene Name als Überschrift
Lücken kaschieren oder verschweigenDie Verwaltung kontrolliert Lebensläufe genau – jede Lücke wird im Gespräch nachgehakt; Verschweigen fliegt aufLücken ehrlich benennen und kurz begründen (Pflege, Familienzeit, Weiterbildung, Krankheit)
Hobbys „Reisen, Lesen, Sport“Floskelfeld – signalisiert Unverbindlichkeit und mangelnde PersönlichkeitKonkret: „Marathon-Läufer (3 Finisher)“, „Vorstand Schützenverein“, „Buchklub Coesfeld“
Bewerbungsfoto im Selfie- oder Urlaubs-StyleWirkt unprofessionell, signalisiert mangelnden Aufwand – schlechter als kein FotoProfessionelles Headshot vom Fotografen, neutraler Hintergrund (50-100 €, hält 5 Jahre)
Gehaltsvorstellung im LebenslaufBei TVöD-Stellen ist die Eingruppierung tariflich fix – wer eine Zahl nennt, zeigt: Tarifsystem nicht verstandenGehalt komplett weglassen – verhandelt wird die Stufenzuordnung NACH der Zusage
Religion, politische Partei, GewerkschaftAGG + DSGVO Art. 9 – darf nicht abgefragt werden, eigene Angabe kann das Auswahlverfahren angreifbar machenKonsequent weglassen – auch wenn das Formular im Online-Portal danach fragt

Checkliste vor dem Absenden

Zehn Punkte, die nach dem Schreiben und vor dem Klick auf „Senden“ Pflicht sind. Wer die Liste durchgeht, fängt die meisten formalen Fehler ab.

  • Überschrift „Lebenslauf“ (NICHT „Bewerbung als ...“) – linksbündig, fett, 14pt.
  • Persönliche Daten vollständig: Name, Anschrift, Telefon, E-Mail, Geburtsdatum, Geburtsort, Staatsangehörigkeit.
  • Berufserfahrung antichronologisch – aktuellste Station oben, älteste unten. Datumsformate konsistent (MM/JJJJ – MM/JJJJ).
  • Keine Lücken über drei Monate ohne Erklärung – jede Lücke kurz begründet (Familienzeit, Weiterbildung, Pflege).
  • Stellen-konkrete Stichpunkte pro Berufserfahrung – nicht nur Jobtitel, sondern 2-4 konkrete Tätigkeiten.
  • Weiterbildungen als eigener Block – Verwaltungslehrgänge, Zertifikate, Sprachkurse mit Datum und Anbieter.
  • Sprachen mit GER-Niveau (A1-C2) und IT-Kenntnisse mit Selbsteinschätzung (Grundkenntnisse / Fortgeschritten / Expert).
  • Hobbys konkret, max. 3 Punkte – keine Floskeln, keine politischen oder religiösen Angaben.
  • Ort + Datum + Unterschrift (eingescannt) am Ende.
  • Datei als PDF (NICHT Word) speichern, Dateiname „Lebenslauf_Nachname_Vorname.pdf“, max. 5 MB, alle Schriften eingebettet.

Rechtliche Grundlagen und vertiefende Quellen

Zwei externe Quellen, die für die Erstellung von Lebensläufen im öffentlichen Dienst maßgeblich sind. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt vor Diskriminierung wegen Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion und sexueller Orientierung – und definiert damit, was im Lebenslauf NICHT abgefragt werden darf. Die Bundesagentur für Arbeit bietet zusätzliche praktische Hilfen für Berufsorientierung und Bewerbungsstrategie.

Weiterführende Ratgeber

Der Lebenslauf ist nur ein Baustein der Bewerbung. In diesen Ratgebern geht es um die anderen Teile der Bewerbungsmappe und das, was nach der Einladung passiert.

Häufige Fragen zum Lebenslauf im öffentlichen Dienst

Welches Format ist für einen Lebenslauf im öffentlichen Dienst Pflicht?
Der tabellarische, antichronologische Lebenslauf ist Standard und wird von allen Personalstellen erwartet. Antichronologisch bedeutet: aktuellste Station oben, älteste unten. Format DIN A4, Schriftgröße 11pt, Schriftart Arial oder Calibri, Zeilenabstand 1,15. Eingereicht wird ein PDF (kein Word-Dokument), maximal zwei Seiten. Ein klassisch ausformulierter Lebenslauf in Fließtext ist nur noch in Ausnahmefällen üblich (Wissenschaftsbewerbungen, Habilitationsverfahren).
Brauche ich ein Foto im Lebenslauf für den öffentlichen Dienst?
Nein, ein Foto ist nicht Pflicht. Seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) darf das Foto nicht verlangt werden und darf bei der Auswahl keine Rolle spielen. Praktisch empfohlen ist es trotzdem: Ein professionelles Bewerbungsfoto (Headshot vom Fotografen, neutraler Hintergrund) erhöht die Erinnerungsleistung bei den Auswahlkommissionen. Wer kein Foto beifügt, wird nicht aussortiert – wer ein schlechtes Selfie beifügt, schon eher. Im Zweifel: lieber ohne Foto als mit Urlaubsbild.
Wie lang darf der Lebenslauf für den öffentlichen Dienst sein?
Maximal zwei DIN-A4-Seiten. Berufseinsteiger und Auszubildende kommen meist auf eine Seite, erfahrene Fachkräfte und Führungskräfte auf zwei. Mehr als zwei Seiten gelten als unprofessionell und werden in Personalstellen mit hoher Bewerberanzahl (Großstadt-Verwaltungen, Landesbehörden) negativ vermerkt. Strategien zur Kürzung: ältere Stationen (über 15 Jahre zurück) nur in einer Zeile, Schulzeit nur den höchsten Abschluss, Hobbys auf 2-3 Punkte reduzieren.
Soll ich Hobbys im Lebenslauf angeben?
Ja, aber konkret und glaubwürdig. Floskeln wie „Reisen, Lesen, Sport“ schaden mehr als sie nutzen – die Auswahlkommission sieht solche Angaben dutzendfach pro Woche. Besser: „Marathon-Läufer (drei Finisher-Plätze 2023-2025)“, „Vorstand im Schützenverein Coesfeld e.V.“, „Wikipedia-Autor (über 200 Artikel zu Verwaltungsgeschichte)“. Vereinsämter, Ehrenamt und kommunalpolitisches Engagement sind im öffentlichen Dienst besonders wertvoll, weil sie Gemeinwohlorientierung und Verfahrenstreue signalisieren. Maximal 3 Punkte, keine Politik, keine Religion.
Wie erkläre ich Lücken im Lebenslauf?
Ehrlich und kurz. Die Verwaltung kontrolliert Lebensläufe genauer als die Privatwirtschaft – jede Lücke über drei Monate wird im Vorstellungsgespräch angesprochen. Verschweigen führt zur Aussortierung, wenn es auffliegt. Sinnvolle Formulierungen: „Familienzeit (Betreuung Sohn, 06/2022 – 08/2023)“, „Berufliche Neuorientierung mit Weiterbildung Verwaltungsfachwirt (10/2024 – 04/2025)“, „Pflege Angehöriger (Stufe 3, 01/2023 – 12/2023)“. Eine Lücke ist kein Ausschlussgrund – eine unerklärte Lücke schon.
Welche persönlichen Daten gehören aus Datenschutzgründen NICHT in den Lebenslauf?
Verboten oder problematisch: Religionszugehörigkeit, politische Parteizugehörigkeit, Gewerkschaftsmitgliedschaft, sexuelle Orientierung, Gesundheitsdaten (außer Schwerbehinderung freiwillig). Diese Angaben fallen unter Art. 9 DSGVO (besondere Kategorien personenbezogener Daten) und das AGG. Auch Familienstand, Anzahl Kinder, Konfession sind keine Pflichtangaben. Pflicht-Pflicht ist nichts – Standard sind: Name, Anschrift, Geburtsdatum, Geburtsort, Staatsangehörigkeit (relevant bei Verbeamtung). Wer auf Geburtsdatum oder Foto verzichtet, ist rechtlich auf der sicheren Seite, riskiert aber im Auswahlverfahren Skepsis.
Wie wird der Lebenslauf bei einer Bewerbung im öffentlichen Dienst eingereicht?
Drei Wege je nach Ausschreibung: (1) Online-Bewerbungsportal (Standard heute – Interamt, Mein-Job-Portal, kommunale Portale): Upload als PDF, oft mit separaten Slots für Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse. (2) E-Mail-Bewerbung: alle Unterlagen als EIN PDF (Dateiname „Bewerbung_Nachname_Vorname.pdf“, max. 10 MB), an die in der Ausschreibung genannte Adresse. (3) Postalisch: nur noch in Ausnahmen, meist wenn Originale verlangt werden. Eine Unterschrift unter dem Lebenslauf ist heute nicht mehr nötig – früher Pflicht, heute optional.
Welche Reihenfolge: Berufserfahrung oder Ausbildung zuerst?
Für Berufserfahrene gilt: Berufserfahrung zuerst, Ausbildung danach. Begründung: Wer fünf Jahre in der Verwaltung gearbeitet hat, interessiert die Personalstelle für die letzten Stellen mehr als für das Schulabschluss-Zeugnis. Für Berufseinsteiger und Auszubildende gilt das Gegenteil: Ausbildung/Studium zuerst, danach Praktika und Werkstudententätigkeiten. Faustregel: Was Ihr stärkstes Argument ist, kommt oben. Bei Quereinsteigern aus der Privatwirtschaft empfiehlt es sich, Berufserfahrung zuerst zu nennen und Weiterbildungen mit Verwaltungs-Bezug separat zwischen Erfahrung und Ausbildung zu setzen.